Musiker-Einnahmen Teil2 – Die andere Sichtweise

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Ich hatte neulich über die Musiker-Einnahmen geschrieben und dazu Beispiele gegeben. [siehe Teil 1]
Aufgrund dieser Darstellung erschien der Künstler als „Melkkuh“ der bösen Musikindustrie.

Aber da es bei jedem Thema zwei Seiten der Betrachtung gibt will ich hier mal die andere Seite aufzeigen.

Und wie geht es der Musikindustrie

Die Musikbranche hat sich in den letzten Jahren extrem verändert.
CDs werden kopiert, mp3s werden auf Servern wie Rapidshare illegal und kostenlos vertrieben.
Ein Label verkauft 200 CDs und zeitgleich findet man 100.000 Downloads des gleichen Albums auf einem illegalen russischen Server. (Keine Seltenheit)
Dass der Künstler immer weniger an Tantiemen erhält liegt somit auf der Hand.

Sicherlich hat hier die Musikindustrie gepennt.
Die Erfindung des mp3-Formats und der Netzwerke hätte man damals als Chance sehen müssen. [siehe lernresistent]
Aber da hilft jetzt auch kein lamentieren mehr.

Die Verkäufe (Einnahmen) sind zwar stark zurückgegangen aber die Kosten für Promotion stagnieren eher. Zudem ist der Markt größer geworden.
In den 80ern konnte man sich noch mit ziemlicher Genauigkeit ausrechnen welches Album sich wie oft verkauft. Tops und Flops gab es zwar auch zu der Zeit.
Aber die Zeit der marktbeherrschenden Super-Gruppen ist vorbei.
Nehmen wir mal die aktuellen Charts:

  1. Katy Perry – Hot N Cold
    Newcomerin
  2. Polarkreis 18 – Allein Allein
    musste auch erst neu aufgebaut werden
  3. Pink – So What
    kann man hier noch als Konstante ansehen.

Die Plattenlabel versuchen auch oft vergeblich einen Künstler zu pushen.
Es ist schwer vorauszusehen welche Musik sich im Endeffekt dann durchsetzt und das das nicht immer etwas mit Qualität zu tun hat, sieht man auch an den aktuellen Charts.
Platz 6 für Schäfer Heinrich – Das Schäferlied (mit viel Aufwand gehypt)

Es wird oftmals viel Geld für Nichts ausgegeben.
Hier lässt sich streiten, ob es nicht sinnvoller wäre in Qualität zu investieren als den schnellen (und zumeist kurzfristigen) Erfolg zu suchen.

Der Künstler indes geht keinerlei finanzielles Risiko ein.
Schlimmstenfalls verdient er nichts.

Promotion, GEMA-Lizenzen und der Vertriebsapparat verschlingen Unsummen.
Das Retourenrecht der Händler macht zudem die vermeintlichen Gewinne kaputt.
Was macht eine Vertriebsfirma wenn Sie von 100.000 rausgestellten CDs 80.000 wieder zurückbekommt??

Die Einnahmen aus dem Verkauf eines erfolgreichen Albums müssen somit auch die Kosten der Anderen decken.

Übrigens:
Ein kleines Label muss z. B. die Lizenzen für eine 1.000er Pressung bezahlen, selbst wenn nur 200 Stück verkauft werden. Das ist gleich eine 5-fache Lizenz gegenüber großen Firmen, die dürfen stück genau abrechnen, wenn Ihre GEMA-Zahlungen 5.000 € monatlich übersteigen. (Industrievertrag)




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